Auf ins grüne Abenteuer: Die Datteln reisen in den Wald – Teil 1

Eines Abends saßen die Datteln, wie gewohnt, auf ihrem Regalbrett im Schrank.

Sie haben die Familie des Hauses dabei beobachtet, wie sie zu Abend aßen. Die Datteln mochten es, der Familie zuzuhören, denn sie erzählten von der Außenwelt. Sie fanden die Außenwelt schon immer sehr interessant. Sie hatten schon den Garten gesehen, wo sie in der Vogeltränke geschwommen waren, die sie als Pool benutzt hatten, und sie hatten den Rummel erlebt. Doch sie wussten, es gibt noch so viel mehr zu entdecken.

Die Datteln hörten, wie die Familie ihren nächsten Ausflug planten.

„Morgen geht es in den Wald!“, hörten sie den Vater sagen.

Die Tochter der Familie öffnete ein kleines Heft mit vielen Bildern von Pflanzen, Wäldern und Tieren. Die kleinen Datteln staunten. So etwas hatten sie von ihrem kleinen Schränkchen aus noch nie gesehen.

Malik und Jamila drängten sich neugierig ganz nah an die Kante des Regalbretts, auf dem sie standen. Sie wollten unbedingt einen Blick in das Heft werfen. Doch dabei mussten sie vorsichtig sein, damit sie nicht entdeckt werden.

Die beiden neugierigen Datteln holten ihre restlichen Datteln herbei: „Kommt schnell! Schaut euch das an! Im Heft ist ein Eichhörnchen zu sehen und ein Fuchs. SubhaanaAllah, das müsst ihr gesehen haben!“, flüsterten sie aufgeregt.

Karima und Jamil eilten dazu und schauten mit auf das Heft.

Die Datteln wollten auch in den Wald gehen, aber sie wussten nicht, wie sie das schaffen sollten. Der Wald war weit weg, das wussten sie, weil sie dabei zugesehen hatten, als der Vater die Reiseroute plante. Alleine würden sie den Weg in den Wald nicht finden.

Sie schauten traurig drein und seufzten. Jamila sagte: „Ach, wie gerne würde ich den Wald sehen. Und die ganzen Pflanzen und Bäume!“

Die vier Datteln setzten sich gemeinsam auf die Kante ihres Regalbretts und ließen den Kopf hängen vor lauter Traurigkeit.

Die Familie des Hauses aß ihr Abendbrot zu Ende. Sie räumte den Tisch ab und gingen zu Bett, denn sie wollten morgen früh aufbrechen.

Die Datteln warteten geduldig, bis das Licht ausgeschaltet wurde, um aus ihrem Schrank herauszukommen.

Malik hatte eine Idee. Mit einem Satz sprang er auf den Küchentisch. „Hops!“

„Bismillah, meine Lieben, ich habe einen Plan!“, verkündete Malik stolz.

„Ich bitte euch, mir zuzuhören.“

Jetzt war auch Jamil neugierig. Die kleine Dattel mochte Abenteuer nicht so gerne und schon gar keinen Ärger, aber sie wollte hören, was Malik zu berichten hatte.

Die anderen Datteln Jamila, Karima und auch Jamil kletterten vorsichtig herunter und gesellten sich zu Malik auf den Küchentisch.

„Was meinst du, Malik? Was für ein Plan? Und wofür?“, fragte Karima ahnungslos.

„Ich weiß, wie wir in den Wald kommen, in shaa Allah!“, sagte Malik aufgeregt.

„Wie willst du das denn machen? Wie sollen wir denn in den Wald kommen, wo wir doch so klein sind und der Wald so weit weg ist?“, fragte Jamil entmutigt. „Das ist doch viel zu gefährlich!“

Malik lächelte, denn er wusste, dass sein Plan gut war.

„Wir gehen mit der Familie mit“, sagte er und schaute seine Freunde mit großer Freude an.

Jamil schlug sich die Hände über den Kopf: „Sag ich’s doch, das ist viel zu gefährlich! Wir werden entdeckt werden! Und nur Allah allein weiß, was dann geschehen wird.“

„Warte doch mal, lass mich zu Ende erklären“, sagte Malik und setzte sich auf die Hälfte einer umgedrehten Walnussschale. „Wir werden mit der Familie in den Wald gehen, in shaa Allah. Jedoch so, dass sie uns nicht sehen werden.“

Die Freunde hörten jetzt gespannter zu.

„Seht ihr die Garderobe?“, fragte Malik.

„Ja!“, sagten die kleinen Datteln, wie aus einem Mund gesprochen.

Malik erklärte: „Ich habe die Mutter der Familie reden hören. Sie sagte, sie wisse nicht, ob es morgen regnen würde, Allahu a’lam. Denn was morgen passiert, weiß nur Allah. Aber sie sagte auch, dass sie vorsichtshalber einen Regenschirm einpacken wolle.

Ich finde, wir sollten uns im Regenschirm verstecken. Die Familie wird uns auf der Reise nicht bemerken, und so können auch wir mit in den Wald gehen.“

Die kleinen Datteln freuten sich und sprangen vor Freude auf und ab. „Yuhuuu! Wir gehen in den Wald!“, riefen sie und glucksten vor Glück. Das hörte sich wirklich nach einem guten Plan an.

Doch Karima war etwas aufgefallen: „An der Garderobe hängen drei Regenschirme. Woher wissen wir, welcher mitgenommen wird?“ „Stimmt, das habe ich gar nicht bedacht“, sagte Malik.

„Dafür sind wir doch ein Team, Malik. Du hast mit deiner genialen Idee den Anfang gemacht. Und gemeinsam werden wir es bestimmt schaffen, in den Wald zu kommen, in shaa Allah.“, sagte Karima und schaute zu den anderen. Die kleinen Freunde dachten nach.

Plötzlich hüpfte Jamila vor Freude: „Ich weiß, in welchem Regenschirm wir uns verstecken!“, rief sie aufgeregt. „Der rosafarbene Schirm der Tochter, der ist zu klein, da wird die gesamte Familie nicht drunter passen. Der Schirm des Sohnes hat ein großes Loch in der Mitte, das habe ich letzte Woche gesehen, als er von der Schule kam. Und der Vater vergisst seinen Schirm ständig auf der Arbeit. Deswegen hängt er auch nicht an der Garderobe. Bleibt also nur noch ein Schirm übrig: der Regenschirm der Mutter! Dieser ist groß genug für alle und kaputt ist er auch nicht!“

Genau das war der richtige Regenschirm. Dort wollten sich die mutigen Datteln verstecken. Doch es gab ein Problem. Der Regenschirm der Mutter hing oben am Garderobenhaken, und die Datteln fragten sich, wie sie bloß da hochkommen sollten.

Sie fingen an zu grübeln. Aber die pfiffigen Datteln wussten, dass sie dieses Problem mit Leichtigkeit lösen würden. Sie überlegten, wie sie sich am besten helfen könnten, um ihr Ziel zu erreichen.

Malik hatte wieder eine Idee. „Ich weiß, wie wir dort hochkommen. Ich klettere einfach den Mantel des Vaters hoch. Der ist nämlich so lang, dass wir von seinen Schultern aus ganz leicht in den Regenschirm hüpfen können.“

„Wir?!” fragte Jamil erschrocken. „Ich dachte, DU willst da hochklettern! Wie soll ich denn da hochkommen? So stark sind meine Ärmchen nicht, dass ich mich dort hochziehen kann.“

„Keine Sorge, Jamil!“, tröstete ihn Malik. „Ich nehme eine lange Schnur mit. Wenn ich oben angekommen bin, dann hänge ich sie runter, und ihr klettert daran nach oben zu mir. Das ist doch eine gute Idee, oder?“

Die anderen schauten Malik nachdenklich an. Der Plan war gut, sehr gut sogar, aber sie machten sich Sorgen um Malik.

„Aber… sind wir nicht zu schwer für dich?“, fragten sie besorgt.

„Nein, zusammen schaffen wir das, in shaa Allah. Wir fangen einfach mit der leichtesten Dattel an. Dieser müsste ich schaffen, ihr hoch zu helfen. Du, Jamila, wärst die leichteste. Du machst den Anfang und kletterst zu mir hoch. Wenn du oben bei mir bist, dann helfen wir gemeinsam den anderen hoch zu kommen. So lange, bis wir alle oben sind, in shaa Allah.“

Das hört sich gut an.

„Okay, zusammen schaffen wir das, los!“, riefen die Datteln aufgeregt. „Dann lassen wir den Worten nun Taten folgen und den Plan umsetzen!“

Malik nahm sich eine lange Bratenschnur aus der Küche. Die anderen halfen ihm dabei, sie so oft es ging um seinen Bauch zu binden. Sie mussten jedoch darauf achten, sie nicht zu fest zu binden, damit er sich weiterhin problemlos bewegen konnte und ohne Erschwernis den Mantel hochklettern konnte.

Malik setzte sich auf die Garderobenbank und schaute nach oben. Ein klein wenig Angst hatte er doch, aber er wollte seinen Freunden unbedingt helfen.

Er blieb kurz still sitzen, atmete tief ein und sagte „Bismillah“. Dann begann er, mit den Fingern langsam den Mantel hinaufzusteigen. Ganz langsam und vorsichtig hangelte er sich am Saum des Mantels entlang, um zur Knopfleiste zu gelangen und von dort aus nach oben in Richtung Mantelkragen.

Von dort aus könnten sie ganz einfach in den Regenschirm springen. Die anderen standen unten und waren ganz besorgt. Sie mochten kaum hinschauen und riefen immer wieder flüsternd: “Sei vorsichtig!”, denn die Familie durfte sie nicht hören. “Wenn du nicht mehr kannst, dann ist das nicht schlimm. Wir freuen uns, dass du es versucht hast”, sagten sie, denn sie wollten nicht, dass Malik sich ihretwegen weh tut.

Malik war allerdings fest entschlossen. Er wollte diesen Mantel hochklettern und so seinen Freunden helfen, in den Wald zu kommen.

Er kletterte immer weiter hoch. Immer höher. Er konnte schon den Kleiderbügel sehen, an dem der Mantel hing. Er wusste, gleich ist es geschafft. “Gleich bin ich oben”, dachte er sich und war innerlich ganz aufgeregt vor Freude.

Malik merkte, wie seine Arme schmerzten. Er war sehr erschöpft, und langsam juckte auch die Schnur, die um seinen Bauch gebunden war. Dennoch ließ er sich von nichts ablenken. Plötzlich rutschte Malik auf einem glatten, rutschigen Knopf der Knopfleiste ab. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hielt sich mit aller Kraft an dem Knopf fest und hing nur noch mit einer Hand am Mantel.

Die anderen Datteln waren krank vor Sorge: „Pass auf! … Malik! Lass dich fallen! Wir fangen dich, in shaa Allah, auf!“ Die Datteln schrien jetzt lauthals. Es war ihnen egal, ob die Familie sie hörte. Sie wollten nur, dass es Malik gut ging.

Denn wir Muslime sind wie ein Körper: Wenn ein Teil weh tut, spürt der ganze Körper diesen Schmerz. Wenn es also einem Muslim schlecht geht, spürt die Gemeinschaft der Muslime seinen Schmerz.

Malik rutschte ab! Er fiel!

Die kleinen Datteln stellten sich bereit, um ihn aufzufangen. Malik fiel weiter … Doch siehe da! Er schnappte nach der Manteltasche und hielt sich an ihr fest.

Mit einem Schwung warf er sich in die Tasche des Mantels und landete weich auf einem Taschentuch. Er war in Sicherheit, Alhamdulillah!

Die anderen konnten ihn nicht mehr sehen. “Wo ist er hin?” fragten sie sich gegenseitig. Sie waren jetzt ganz außer sich vor Sorge.

“Wir hätten nie zulassen dürfen, dass er dort hochklettert!” sagte Jamila und kämpfte mit den Tränen.

“Nein, qadara Allah wa ma sha’a fa’al. Lasst uns einen Augenblick warten. Vielleicht finden wir ihn, und es geht ihm gut, in shaa Allah.” Karimas Worte beruhigten die anderen etwas. Sie warteten und hielten Ausschau nach Malik.

„As-salamu alaikum, meine Lieben!“ rief Malik fröhlich aus der Manteltasche heraus.

Die kleinen Datteln am Boden konnten ihren Augen kaum glauben. Es war tatsächlich Malik, der aus der Manteltasche herausschaute und ihnen zuwinkte.

„Hier bin ich! Ich bin in die Manteltasche gefallen. Mir geht es gut, alhamdu lillah!“

Die anderen seufzten vor Erleichterung.

„Du hast uns einen riesigen Schrecken eingejagt!“ riefen sie ihm zu.

„Entschuldigt bitte, das wollte ich nicht“, rief er zurück.

Malik wollte weiter nach oben klettern, doch die anderen fanden das gar nicht so toll.

„Malik! Es ist schon gut! Wir wollen doch gar nicht mehr in den Wald gehen! Komm bitte wieder herunter!“ flehten sie.

Allerdings dachte Malik gar nicht daran, herunterzugehen. Er kletterte weiter nach oben. Die kleine Pause in der Manteltasche hatte seinen müden Armen ganz gut getan. Er wollte es unbedingt nach oben schaffen. Er war fest entschlossen, den anderen zu helfen, und kletterte weiter. Immer weiter.

Er hatte nur noch den Kleiderbügel des Mantels vor Augen. Auf einmal griff seine Hand nach dem hölzernen Kleiderbügel. Er war angekommen!

Ihm war schwindelig vor Glück! Er hatte es geschafft, mit Allahs Hilfe.

Die anderen fingen an zu jubeln: „Alhamdu lillah! Alhamdu lillah!“

Malik setzte sich auf den Kleiderbügel und schmiss die Schnur, die um seinen Bauch gebunden war, nach unten.

„Jamila, du zuerst!“, rief er.

Jamila tat, wie es ihr befohlen wurde, und kletterte die Schnur hoch. Wie im Flug war sie oben bei Malik und setzte sich zu ihm.

Als Nächstes sollte Karima die Schnur hochklettern. Allerdings traute sie sich nicht. Sie wollte noch etwas warten und gab Jamil den Vortritt.

Jamil kletterte langsam die Schnur nach oben. Da merkte Malik, wie seine Arme wieder vor Schmerz brannten. Jamila war nicht stark genug, um Jamil alleine hochzuziehen.

„Stopp! Stopp! Ich kann nicht mehr! Ich brauche eine Pause! Meine Arme tun zu sehr weh!“

Jamil ging sofort von der Schnur runter und stellte sich wieder auf den Boden. Er war erleichtert, dass Malik so ehrlich war und ihnen sagte, dass er die Schnur nicht mehr halten konnte.

„Kein Problem! Wir finden eine Lösung, in shaa Allah!“, rief Jamil ihm zu.

Jamila hatte eine Idee: „Malik, lass uns doch die Schnur am Haken des Kleiderbügels festbinden. Der Haken ist stabil genug, um uns zu halten. Dann brauchen wir sie nicht festzuhalten und die anderen können ganz einfach an ihr hochklettern.“

„Hervorragende Idee, Jamila! So machen wir das, in shaa Allah!“

Die beiden fleißigen Datteln banden die Schnur an den Haken des Kleiderbügels. Malik machte vorsichtshalber drei Knoten rein. Nicht, dass die Schnur riss oder der Knoten sich löste und die anderen in Gefahr gerieten.

Nachdem die beiden Datteln die Schnur festgebunden hatten, versuchte Jamil wieder, an ihr hochzuklettern. Karima hatte noch Angst und wollte lieber noch warten. Mit Leichtigkeit schaffte es Jamil diesmal nach oben und gesellte sich zu den anderen beiden.

Nun saßen alle drei Freunde oben und warteten auf Karima. „Komm! Es ist gar nicht so schwer, wie es aussieht. Sag Bismillah und vertraue auf Allah!“

Karima holte tief Luft, sagte leise „Bismillah“ und kletterte schließlich die Schnur nach oben. Und auch sie war so schnell oben bei ihren Freunden, dass sie es kaum glauben konnte.

Die vier Datteln waren nun ganz nah am Regenschirm. So nah, dass sie einfach in ihn reinklettern konnten. Die kleinen Freunde waren letztendlich an ihrem Ziel angekommen und warteten aufgeregt darauf, dass die Familie am nächsten Morgen zum nächsten Abenteuer aufbrach.

Die Datteln hatten es in den Regenschirm geschafft. Dort saßen sie nun mucksmäuschenstill und ganz gespannt. Sie warteten darauf, dass die Familie aufwachte und zum Ausflug in den Wald aufbrach.

Fortsetzung folgt…

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